Bestände
Bestände sind alle Dinge und Vorgänge, die in einer Organisation liegen und darauf warten, dass jemand etwas mit ihnen tut.

Beispiel:
Eine Gärtnerei hat 240.000 Euro im Lager: Substrate, Töpfe, Dünger, Pflanzgut. Der Verbrauch beträgt 40.000 Euro im Monat. Die Reichweite ist damit sechs Monate.
Bei genauerem Hinsehen verteilt sich das ungleich. Töpfe und Substrat reichen zwei Monate, das Pflanzgut zwei Wochen — und ein Restposten Spezialdünger für 28.000 Euro liegt seit drei Jahren. Der Durchschnitt von sechs Monaten beschreibt keinen einzigen dieser Fälle.
Dasselbe gilt für Vorgänge. In einer Bauaufsicht lagen an einem Stichtag 612 unbearbeitete Anträge. Bei 34 Erledigungen am Tag sind das 18 Arbeitstage Reichweite — jeder neue Antrag wartet erst einmal gut drei Wochen, bevor ihn überhaupt jemand ansieht.
Bestand ist damit nichts anderes als Wartezeit in anderer Einheit.
Vorteile:
+ die Reichweite in Tagen ist die einzige Bestandszahl, die ohne Vorwissen verständlich ist — sie übersetzt Euro und Stück in Wartezeit
+ Bestand ist der einzige Verlust, der in der Bilanz als Vermögen steht: Wer ihn senkt, verbessert Liquidität und Durchlaufzeit mit derselben Maßnahme
Hinweise:
Der Zusammenhang ist rechenbar und keine Erfahrungsregel: Durchlaufzeit gleich Bestand geteilt durch Durchsatz. Wer den Bestand halbiert und den Durchsatz hält, halbiert die Durchlaufzeit.
Ein Durchschnittsbestand sagt fast nichts. Aussagekräftig ist die Verteilung: Wie viel liegt länger als die doppelte Reichweite? Diese Menge ist fast immer der eigentliche Fall — und sie steht selten in der Auswertung.
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