7Makigami zeichnen
Jetzt wird gezeichnet — nicht am Bildschirm, sondern auf Papier. Am besten auf Brown Paper an der Wand, sonst auf einem Flipchart. Zieh zuerst die Tabelle: links die Spalte „Wer?“, oben die nummerierten Schritte, unten die sechs Zeilen. Die Vorgänge kommen auf Post-its und nicht direkt aufs Papier — in der ersten Runde wird die Hälfte wieder geändert, und ein Post-it lässt sich verschieben. Und nicht allein: Alle Beteiligten stehen dabei, die Führungskraft eingeschlossen — fehlt sie, fang gar nicht erst an. Zeichne so nah an der Wirklichkeit, wie du kannst, auch bei den unangenehmen Zahlen. Ein geschöntes Papier führt zu einem geschönten Ergebnis.
Die Zeichnung hier oben ist nur die Anleitung: Sie zeigt bei jedem Schritt, was jetzt auf dein Papier kommt. Sie ersetzt das Zeichnen nicht.
Makigami-Analyse
Das erste Blatt: wie es heute wirklich ist. Zwölf Schritte, in denen die Tabelle von oben nach unten wächst — erst die Zeilen, dann die Spalten, dann die Zahlen darunter. Hier werden Daten erfasst, keine Lösungen gesucht.
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Schritt 1 Beginne das Makigami und trage den Kundenbedarf ein.
Und zwar in BEIDEN Einheiten, wenn Büro und Produktion zusammenspielen: wie viele Stück im Jahr, und wie viele Vorgänge im Jahr. Beide Zahlen werden gebraucht, weil an der einen Stelle Stücke warten und an der anderen Aufträge — und jede Wartezeit rechnet sich gegen ihren eigenen Bedarf.
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Schritt 2 Trage in die Spalte „Wer?“ alle Bereiche und Personen untereinander ein.
Das sind die Zeilen deiner Tabelle. Rechne damit, dass hier die ersten Diskussionen entstehen: Im Büro weiß oft niemand genau, wer wofür zuständig ist — und das fällt erst auf, wenn man danach fragt.
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Schritt 3 Benenne die Vorgänge, nummeriere die Spalten und kleb sie in die richtige Zeile.
Ein Post-it je Vorgang, in die Zeile dessen, der ihn macht. Der erste Schritt bekommt die 1, der nächste die 2. Was nacheinander passiert, klebt nebeneinander von links nach rechts; was gleichzeitig läuft, klebt übereinander in derselben Spalte. Bleib grob: Im Online-Seminar sind mehrere Handgriffe zu einem Vorgang „Verpacken“ gebündelt.
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Schritt 4 Trage in die Zeile „Womit?“ ein, wie der Vorgang weitergegeben wird.
E-Mail, Papier, Telefon, jemand trägt es hinüber. Und wo gar nichts weitergegeben wird, schreib „keiner“ hin — im Online-Seminar sagt niemand aus der Fertigung dem Lager Bescheid, die Lagerleute müssen selbst nachschauen. Genau daraus entstehen die längsten Wartezeiten.
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Schritt 5 Trage Bearbeitungszeit und Wartezeit ein, jeweils im besten und schlechtesten Fall.
Zwei eigene Zeilen unter „Womit?“. Die Wartezeit ist hier der Rhythmus: Es wird nur alle zwei bis drei Tage eingelagert, der Spediteur kommt nur montags und mittwochs. Was zusätzlich durch wartende Bestände entsteht, kommt in Schritt 8 dazu.
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Schritt 6 Trage die wertschöpfende Zeit und die Anzahl der Bestände ein.
Wertschöpfend ist nur, wofür der Kunde zahlen würde — bei Transport und Lagerung ist das null. Und bei den Beständen zählst du nach, statt zu fragen: Im Online-Seminar hieß es „ungefähr 300“, gezählt wurden 352. Zähl an mindestens drei Terminen im Abstand einer Woche.
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Schritt 7 Trage die Probleme so ein, wie die Mitarbeiter sie benennen.
Wörtlich, auch wenn es unfair klingt: „Der Lieferant ist schuld“, „Die Software ist schuld“. Karsten dazu: „Nicht jedes Problem, das der Mitarbeiter wahrnimmt, ist auch ein Problem, das dem Unternehmensziel im Weg steht. Das ist sogar ziemlich selten der Fall." Erfasst wird trotzdem alles.
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Schritt 8 Bilde alle Summen und zähle die Transfers je Bereich.
Am Ende jeder Zahlenzeile steht ihre Summe. Und rechts an jeder Bereichszeile steht die Zahl der Transfers: Jedes Mal, wenn dieser Bereich den Vorgang abgibt, zählt eins. Nur das ABGEBEN zählt — wer etwas zurückbekommt, bekommt keinen Transfer dafür. Im Idealfall steht überall eine 1.
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Schritt 9 Markiere alle Auffälligkeiten mit Sternen.
Eine Wartezeit von Wochen, ein Arbeitsplatz, an dem nur einer arbeiten kann, eine Übergabe ohne Informationsträger, eine Spedition, die nur zweimal die Woche kommt. Diese Sterne und die Problemzeile zusammen kommen auf ein eigenes Blatt — sie werden später für die Priorisierung gebraucht.
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Schritt 10 Ermittle den OEE- oder GAE-Wert und den Kundentakt.
Der OEE sagt, welcher Anteil der Jahreszeit wirklich am Produkt gearbeitet wird. Im Online-Seminar sind es 0,19 — also 19 Prozent; die anderen 81 Prozent sind Urlaub, Wartung, Stillstände, Suchen und Nacharbeit. Der Takt hängt daran: Ein nur zweimal wöchentlich besetzter Platz hat einen ganz anderen.
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Schritt 11 Besprich alles mit jedem, der mit diesen Vorgängen zu tun hat.
Makigami, Zahlen und Probleme, am Brown-Paper mit Post-its und Karten — nicht am Bildschirm. Karsten dazu: „Diese ganze Analyse dauert mehrere Wochen, manchmal sogar Monate.“
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Schritt 12 Korrigiere alle Fehler und fotografiere das Makigami als Nachweis.
„Investiere mehr Zeit in das Verstehen des Problems als in die Umsetzung der Lösung."
Fantasiedesign
Ein neues, leeres Blatt — die Analyse bleibt unangetastet hängen. Du legst den Ablauf noch einmal von vorne, aber so, wie er sein müsste: mit allem, was du beim Analysieren gelernt hast, und ohne Rücksicht darauf, was gerade geht. Deshalb Fantasie.
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Schritt 1 Lege die künftige Menge fest und rechne den neuen Kundentakt.
Immer nur auf das erste Ziel zugehen, nie gleich auf das größte: in Schritten, nicht in Sprüngen. Und frag die Leute selbst — oft bleibt die Zahl der Vorgänge gleich, obwohl die Menge steigt.
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Schritt 2 Bring jeden Vorgang an den Kundentakt heran.
Nicht darüber und nicht weit darunter. Wer über dem Takt liegt, ist überlastet; wer weit darunter liegt, hat Zeit übrig. Und beides gleicht sich im Makigami oft aus, weil Produktion und Büro nebeneinanderstehen und man zum ersten Mal sieht, wer auf wen wartet.
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Schritt 3 Trage die Veränderungen in ein neues, leeres Makigami ein.
Zusammengelegte Vorgänge werden ein Post-it, und der Bestand, der vorher dazwischenlag, fällt damit von selbst weg. Das alte Makigami bleibt unangetastet hängen — sonst hast du am Ende weder den IST-Zustand noch einen Entwurf.
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Schritt 4 Definiere die Bestände und halte sie so klein wie möglich.
Die Durchlaufzeit besteht fast nur aus Wartezeit, und Wartezeit ist wartender Bestand. Karsten dazu deutlich: „Ein Lager, egal in welcher Form es existiert, verdeckt die Probleme zwischen den einzelnen Prozessschritten nur. Kein Lager der Welt wäre so groß, dass es diese Probleme lösen könnte."
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Schritt 5 Bestimme einen Schrittmacher.
Nur eine Stelle steuert. Im Makigami ist das oft die Stelle, an der Büro und Produktion sich treffen — im Online-Seminar die Versandverwaltung, die die Liste zieht und damit entscheidet, was überhaupt in die Kette geht.
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Schritt 6 Lass die Vorgänge untereinander ziehen.
Jeder Schritt holt sich beim Vorgänger, was er gerade braucht, statt weiterzuschieben, was er fertig hat. Nach dem Schrittmacher gilt FiFo: Wer zuerst kommt, wird zuerst bedient. Das Vorziehen einzelner Aufträge fühlt sich flexibel an und erzeugt genau das Gegenteil — das ist der Forrester-Effekt.
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Schritt 7 Senke die Zahl der Transfers.
Das ist der Schritt, den nur das Makigami hat. Jeder Transfer ist eine Übergabe, und jede Übergabe ist eine Stelle, an der etwas liegen bleibt oder falsch verstanden wird. Steht bei einem Bereich eine 3, bekommt er dieselbe Aufgabe dreimal — schau nach, ob sich zwei seiner Vorgänge zusammenlegen lassen. Danach die Zahlen neu rechnen.
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Schritt 8 Erstelle das KPI-Chart und vergleiche IST und Design.
Bearbeitungszeit, Durchlaufzeit, wertschöpfender Anteil, Bestände, Fließgrad und die Zahl der Transfers — vorher gegen nachher. Das Chart hat genau einen Zweck: jemanden in kürzester Zeit von der Veränderung zu überzeugen.
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Schritt 9 Fotografiert das fertige Fantasiedesign.
Fotografiere es, bevor ihr im Design daran arbeitet — sonst ist später nicht mehr nachvollziehbar, wo ihr Abstriche gemacht habt und wo nicht.
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Schritt 1 Besprich das Fantasiedesign mit allen Beteiligten. Sei mutig.
Mitarbeiter, Führungskräfte und, wenn es sie betrifft, die Lieferanten und Spediteure an einen Tisch. „Das ist großartig“ und „Das geht aber so nicht“ kommen beide — ohne Mut keine Veränderung.
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Schritt 2 Passt das Makigami gemeinsam an die Wirklichkeit an.
Jetzt kommt zum ersten Mal dazu, was wirklich im Weg steht: eine fehlende Qualifikation, ein Vertrag mit der Spedition, eine Software. Ändert nur das, und schreibt daneben, warum. Das Ziel ist nicht, dass alle zufrieden sind — das Ziel ist ein Design, das umgesetzt wird.
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Schritt 3 Führt Testläufe durch, wo etwas unsicher ist.
Mit PDCA-Zyklen. Genau dafür sind sie da. Danach werden die Daten im Design berichtigt.
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Schritt 4 Gestaltet, wenn nötig, den Bereich neu.
Wenn Vorgänge zusammengelegt wurden oder Wege wegfallen sollen, stimmt die alte Aufstellung nicht mehr. Im Makigami betrifft das beides: wer im Büro neben wem sitzt, und wie weit Lager, Verpackung und Lieferfläche auseinanderliegen. Das Spaghetti-Diagramm zeigt vorher und nachher, wie viel Weg ihr wirklich gespart habt.
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Schritt 5 Berechne zuletzt die notwendige Mitarbeiteranzahl.
Erst jetzt, nicht vorher: Teile die Gesamtbearbeitungszeit durch den Kundentakt. Wer mit der Personalfrage anfängt, bekommt kein Design, sondern eine Abwehrhaltung — und die Leute, die dir alles zeigen sollten, sagen nichts mehr. Sag von Anfang an, wohin frei werdende Kapazität geht.
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Schritt 6 Passt KPI-Chart und Makigami erneut gemeinsam an.
Nach den Testläufen stimmen ein paar Zahlen nicht mehr. Zieht beide Blätter nach, damit sie zusammenpassen. Ein Design, das sich nach dem ersten Test nicht ändert, wurde nicht ernsthaft getestet.
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Schritt 7 Notiert gemeinsam alle festgelegten Maßnahmen.
Dabei helfen: 5S, Kanban, SMED, Cardboard-Engineering, SOP, OPL, LCA, Shopfloor Management, A3, 8D, PDCA, FMEA, SIPOC, REFA-Arbeitssystem, U-Zellenaufstellung, die 8 Elemente der Arbeitsstruktur, IBA-Informationssystem.
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Schritt 8 Bringt die Maßnahmen in eine Reihenfolge.
Nach der Leipnitz-Maxime, vom Kunden abwärts. Innerhalb eines Vorgangs helfen das Kosten-Nutzen-Diagramm, die ABC-Analyse oder das Pareto-Prinzip.
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Schritt 9 Fotografiert das fertige Makigami-Design.
Das dritte und letzte Blatt — damit später jeder sieht, worauf ihr euch geeinigt habt, auch wenn das Papier längst abgehängt ist.