7Wertstrom zeichnen
Jetzt wird gezeichnet — nicht am Bildschirm, sondern auf Papier. Am besten auf Brown Paper an der Wand, sonst auf einem Flipchart, mit Post-its und Karten, damit sich alles verschieben lässt. Und nicht allein: Die Leute, die in dem Bereich arbeiten, stehen dabei und zeichnen mit. Zeichne so nah an der Wirklichkeit, wie du kannst — die echten Wege, die echten Bestände, die echten Zeiten, auch die unangenehmen. Ein geschöntes Papier führt zu einem geschönten Ergebnis.
Die Zeichnung hier oben ist nur die Anleitung: Sie zeigt bei jedem Schritt, was jetzt auf dein Papier kommt. Sie ersetzt das Zeichnen nicht.
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Schritt 1 Beginne den Wertstrom und trage den Kundenbedarf ein.
Rechts oben steht, wer abnimmt, und was er fordert — der Kunde, oder die Abteilung nach dir. Den Tagesbedarf und den Takt rechnet dir der Abschnitt „Bedarf“ auf dieser Seite aus.
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Schritt 2 Benenne die Prozessschritte und trage ihre Daten in die Kästen ein.
Je Prozess ein Kasten — egal, ob dort ein Teil bearbeitet, geprüft oder eine Leistung erbracht wird. Klebe, wenn möglich, ein Foto dazu; dann weiß jeder auf Anhieb, wovon die Rede ist.
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Schritt 3 Trage den Lieferanten und die Lieferdaten ein.
Links oben steht, wer liefert. Das kann ein Lieferant sein, ebenso gut die Abteilung vor dir oder ein Lager — dann gilt die Betrachtung für einen einzelnen Bereich.
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Schritt 4 Zeichne die Bestände ein und gib ihre Anzahl an.
Zähle früh am Morgen, wenn nichts läuft: Bewegt sich der Bestand beim Zählen, zählst du doppelt. Zähle an mehreren Tagen und trage jedes Ergebnis einzeln ein.
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Schritt 5 Zeichne die Flusspfeile ein und gib die Entfernungen an.
Geschoben oder gezogen — das entscheidet, welchen Pfeil du nimmst. Die Meter schreitest du ab; interessant sind nur die Ausreißer.
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Schritt 6 Zeichne die Informationsflüsse ein.
Über den Prozesskästen: Wer sagt wem, was zu tun ist. Gerade Linie für mündlich oder auf Papier, gezackte für elektronisch.
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Schritt 7 Zeichne die Zeitlinie ein.
In die Tiefpunkte die Zykluszeiten der Prozesse, auf die Hochpunkte die Wartezeiten der Bestände. Die Wartezeiten rechnet dir der Abschnitt „Bestände“ aus.
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Schritt 8 Notiere Durchlaufzeit, Gesamtzykluszeit und Fließgrad.
Alle drei stehen rechts unter „Dein Stand“, sobald Zykluszeiten und Bestände eingetragen sind. Der Fließgrad ist der Anteil der Gesamtzykluszeit an der Durchlaufzeit.
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Schritt 9 Markiere alle Auffälligkeiten und Potentiale.
Ein Stern oder Blitz an jede große Auffälligkeit: eine zu hohe Rüstzeit, ein sehr hoher Bestand, ein Weg von 360 Metern, wo sonst 20 liegen.
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Schritt 10 Zeichne das Taktdiagramm mit allen Prozessen und ihren Zykluszeiten.
Ein zweites Blatt: senkrecht die Zeit, waagerecht die Prozesse, je Prozess ein Balken in Höhe seiner Zykluszeit im schlechtesten Fall.
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Schritt 11 Errechne den Kundentakt mit OEE und zeichne ihn als Linie ins Taktdiagramm.
Der Kundentakt-Rechner macht das für eine und für mehrere Sorten; den Wert kannst du dir auf dieser Seite mit einem Klick holen.
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Schritt 12 Ergänze neu erkannte Probleme.
Beim Zeichnen fällt Neues auf, das beim ersten Rundgang niemand gesagt hat. Trag es in den Abschnitt „Probleme“ ein, nicht an den Rand des Wertstroms — dort geht es unter. Wieder gilt: nur, was passiert; nicht warum, und nicht, was man tun sollte.
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Schritt 13 Besprich alles mit jedem, der mit diesen Prozessen zu tun hat.
Wertstrom, Taktdiagramm, die Prozessdaten und die Probleme. Am Brown-Paper, mit Post-its und Karten — nicht am Bildschirm.
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Schritt 14 Korrigiere alle Fehler und fotografiere den Wertstrom als Nachweis.
Eine Analyse dauert Wochen, nicht Tage. Im Online-Seminar heißt es dazu: „Investiere mehr Zeit in das Verstehen des Problems als in die Umsetzung der Lösung."
Fantasiedesign
Ein neues, leeres Blatt — die Analyse bleibt unangetastet hängen. Du zeichnest den Wertstrom noch einmal von vorne, aber so, wie er sein müsste: mit allem, was du beim Analysieren gelernt hast, und ohne Rücksicht darauf, was gerade geht. Deshalb Fantasie.
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Schritt 1 Lege die künftige Menge fest und rechne den neuen Kundentakt.
Immer nur auf das erste Ziel zugehen, nie gleich auf das größte. „Du veränderst und verbesserst ein Unternehmen in Schritten und nicht in Sprüngen."
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Schritt 2 Bring jeden Prozess an den Kundentakt heran.
Nicht darüber und nicht weit darunter. Zu langsam? Schicht dazu oder Prozess teilen. Zu schnell? Prozesse zusammenlegen. Ein Beispiel aus der Praxis: Dort wurden die Montage und die Programmierung der Elektronik zu einem Schritt.
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Schritt 3 Trage die Veränderungen aus dem Taktdiagramm in den Wertstrom ein.
Was du im Taktdiagramm verschoben hast, muss auch im Wertstrom stehen. Zwei zusammengelegte Prozesse werden ein Kasten — und der Bestand, der vorher dazwischenlag, fällt damit von selbst weg. Rechne die Daten des neuen Kastens zusammen: Zykluszeiten addieren, Rüstzeit neu schätzen.
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Schritt 4 Definiere die Bestände und halte sie so klein wie möglich.
Im besten Fall wartet nichts. Wo doch etwas liegen muss, bekommt es ein Minimum und ein Maximum — Kanban sagt: was du brauchst, mal zwei. Danach Zeiten und Fließgrad neu rechnen.
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Schritt 5 Bestimme einen Schrittmacherprozess.
Nur eine Stelle steuert. Bei sehr vielen Prozessen übergangsweise auch mehrere — Ziel bleibt einer. Ein Beispiel aus der Praxis: Dort wurde es der Supermarkt direkt vor dem Abnehmer.
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Schritt 6 Lass die Prozesse untereinander ziehen.
Bisher schiebt jeder weiter, was er fertig hat. Jetzt holt sich jeder Prozess beim Vorgänger, was er gerade braucht — jeder sieht den nächsten als seinen Kunden. Zeichne dafür gezogene statt geschobener Pfeile. Was nach dem Schrittmacher kommt, braucht keinen Supermarkt mehr, sondern läuft in fester Reihenfolge durch: FiFo, wo das Älteste zuerst muss; LiFo nur dort, wo nichts verdirbt.
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Schritt 7 Lege fest, dass jeden Tag jede Sorte gefertigt wird.
Heijunka. Trage die Anzahl der Sorten und den Bedarfszeitraum ein. Das Ziel: öfter wechseln, damit der Forrester-Effekt kleiner wird.
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Schritt 8 Erstelle das KPI-Chart und vergleiche IST und Design.
Bearbeitungszeit, Durchlaufzeit, Anzahl der Bestände, Fließgrad, Platzbedarf und Wege — vorher gegen nachher. Die Bearbeitungszeit gehört immer dazu, sonst sieht man nur, dass es schneller wurde, aber nicht warum. Für die Wege hilft das Spaghetti-Diagramm. Das Chart hat genau einen Zweck: jemanden in kürzester Zeit von der Veränderung zu überzeugen.
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Schritt 9 Fotografiert das fertige Fantasiedesign.
Das zweite Blatt ist fertig. Fotografiere es, bevor ihr im Wertstromdesign daran arbeitet — sonst ist später nicht mehr nachvollziehbar, wo ihr Abstriche gemacht habt und wo nicht.
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Schritt 1 Besprich das Fantasiedesign mit allen Beteiligten. Sei mutig.
Mitarbeiter, Führungskräfte und Lieferanten an einen Tisch. „Das haben wir noch nie so gemacht“ gehört dazu — ohne Mut keine Veränderung.
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Schritt 2 Passt Taktdiagramm und Wertstrom gemeinsam an.
Jetzt kommt zum ersten Mal die Wirklichkeit dazu: eine Maschine, die nicht umziehen kann, ein Vertrag, eine fehlende Qualifikation. Ändert nur, was wirklich im Weg steht, und schreibt daneben, warum. Das Ziel ist nicht, dass alle zufrieden sind — das Ziel ist ein Design, das umgesetzt wird.
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Schritt 3 Führt Testläufe durch, wo etwas unsicher ist.
Mit PDCA-Zyklen. Geschätzte Zeiten für ein neues Produkt sind genau so ein Fall — danach werden die Daten im Design berichtigt.
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Schritt 4 Gestaltet, wenn nötig, das Layout des Bereichs neu.
Wenn Prozesse zusammengelegt wurden oder Wege wegfallen sollen, stimmt die alte Aufstellung nicht mehr. Zeichnet den Grundriss maßstäblich auf und legt die Arbeitsplätze neu — am besten als U-Zelle, damit kurze Wege entstehen und eine Person bei Bedarf zwei Plätze bedienen kann. Das Spaghetti-Diagramm zeigt vorher und nachher, wie viel Weg ihr wirklich gespart habt.
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Schritt 5 Berechne zuletzt die notwendige Mitarbeiteranzahl.
Erst jetzt, nicht vorher: Teile die Gesamtzykluszeit durch den Kundentakt, dann weißt du, wie viele Leute der neue Wertstrom braucht. Wer mit der Personalfrage anfängt, bekommt kein Design, sondern eine Abwehrhaltung — und die Leute, die dir alles zeigen sollten, sagen nichts mehr. Sag von Anfang an, wohin frei werdende Kapazität geht.
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Schritt 6 Passt KPI-Chart, Taktdiagramm und Wertstrom erneut gemeinsam an.
Nach den Testläufen und dem neuen Layout stimmen ein paar Zahlen nicht mehr — Zykluszeiten, Wege, Bestände. Zieht alle drei Blätter noch einmal nach, damit sie zusammenpassen. Das ist normal und kein Rückschlag: Ein Design, das sich nach dem ersten Test nicht ändert, wurde nicht ernsthaft getestet.
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Schritt 7 Notiert gemeinsam alle festgelegten Maßnahmen.
Dabei helfen: 5S, Kanban, SMED, Cardboard-Engineering, SOP, OPL, LCA, Shopfloor Management, A3, 8D, PDCA, FMEA, SIPOC, REFA-Arbeitssystem, U-Zellenaufstellung, die 8 Elemente der Arbeitsstruktur, IBA-Informationssystem.
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Schritt 8 Bringt die Maßnahmen in eine Reihenfolge.
Nach der Leipnitz-Maxime, vom Kunden abwärts. Innerhalb eines Prozessschritts helfen das Kosten-Nutzen-Diagramm, die ABC-Analyse oder das Pareto-Prinzip.
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Schritt 9 Fotografiert das fertige Wertstromdesign.
Das dritte und letzte Blatt. Im PDF steht dahinter ein Rahmen dafür — damit später jeder sieht, worauf ihr euch geeinigt habt, auch wenn das Papier längst abgehängt ist.