Wertstrom-Leitfaden

Der Wertstrom zeichnet den Weg auf, den ein Produkt oder eine Leistung durch alle Schritte nimmt — mit den Zeiten, Beständen und Wegen dazwischen. Am Anfang steht, wer liefert, am Ende, wer abnimmt; beides können auch die Abteilung vor dir und die Abteilung nach dir sein. Jeder Schritt bekommt einen Kasten mit seinen Daten, zwischen den Schritten stehen die wartenden Bestände, und ganz unten läuft die Zeitlinie: unten die Bearbeitungszeit, oben die Wartezeit. Dieser Leitfaden führt dich durch alle drei Teile: die Analyse des IST-Zustands, das Fantasiedesign und das fertige Wertstrom-Design. Ausfüllen kannst du ihn direkt hier, mitnehmen als PDF.

Wertstrom eine von mehreren Arten
Eine Gesamtbetrachtung aller Prozessschritte — von dem, der liefert, bis zu dem, der abnimmt.
Welche Art wann eine Empfehlung, keine Regel
Alle drei Gesamtbetrachtungen zeigen dasselbe: den Weg des Produkts oder der Leistung. Erfahrungsgemäß passt der Wertstrom am besten in der Produktion, das Prozessmapping in der Verwaltung und das Makigami dort, wo beides zusammenkommt. Das ist eine Empfehlung aus der Praxis — nimm die Art, mit der ihr euren Ablauf am besten darstellen könnt.
Wozu Probleme sehen, nicht lösen
Eine Gesamtbetrachtung zeigt, welche Probleme auf dem Weg zum Ziel gelöst werden müssen. Beim Erfassen wird nichts gelöst — das kommt später und nur für das, was dem Ziel im Weg steht.

Dein Wertstrom

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Ausfüllen und rechnen kannst du alles. Ohne Konto steht es aber nur in diesem Fenster — beim Schließen ist es weg.

1Vorbereitung

Wo, mit wem und ab wann. Setz die Dauer nicht zu knapp an: Im Beispiel des Online-Seminars hat allein die Analyse zwei Monate gedauert. „Investiere mehr Zeit in das Verstehen des Problems als in die Umsetzung der Lösung."

Wer wirkt am Wertstrom mit?

Eine Person je Feld, mit Vor- und Nachnamen. Leere Felder bleiben leer.

Der Haken ist die Startfreigabe. Eine Gesamtbetrachtung findet vor Ort statt: Du stehst an fremden Arbeitsplätzen, zählst Bestände und stellst Fragen. Wer davon überrascht wird, antwortet zuerst darauf, dass er an nichts schuld ist. Rechne damit, dass die erste Antwort eine Schuldzuweisung ist — der Lieferant, die Software, die Nachbarabteilung. Erklärt ist der Bestand damit noch nicht.

Die zehn Regeln

  1. Führe eine Gesamtbetrachtung bei jeder Veränderung durch. Gibt es schon eine, wird sie angepasst statt neu gemacht.
  2. Führe sie handschriftlich durch — Brown-Paper, Flipchart, Post-its, Karten. Vermeide den Computer: Am Bildschirm wird es langsamer, und in der Gruppe versteht es niemand gleich gut.
  3. Erfasse immer den IST-Zustand. Nicht, wie es einmal war, und nicht, wie es sein soll — wie es in diesem Moment ist.
  4. Bei der Analyse werden Daten erfasst, keine Lösungen gesucht.
  5. Ignoriere Abteilungen und Funktionen. Es zählt der Weg, den das Produkt oder die Leistung nimmt, nicht das Organigramm.
  6. Betrachte alle Produkte oder Leistungen des Bereichs, nicht eines oder zwei.
  7. Geh davon aus, dass niemand die Probleme des Bereichs kennt und sie erst verstanden werden müssen.
  8. Prüfe die erfassten Zahlen nach. Nimm sie nicht hin und verwerte sie nicht sofort als wahr. Ein Beispiel aus der Praxis: In einem Lager zeigte das Programm 2.114 Teile an — nachgezählt waren es 4.318.
  9. Keine Zahl als Durchschnitt oder Mittelwert. Schwankt sie, schreibst du besten und schlechtesten Fall auf — BC für Best Case, WC für Worst Case.
  10. In der Produktion findet die Gesamtbetrachtung vor Ort statt. Sieh dir die Prozesse und die vermeintlichen Probleme direkt am Arbeitsplatz an.

2Der Bedarf

Was im Jahr abgenommen wird — je Sorte. Wer abnimmt, kann der Kunde sein oder die Abteilung nach dir. Daraus wird der Tagesbedarf, daraus der Takt, und aus dem Takt wird jede Wartezeit weiter unten. Ohne diese Zahl bleibt aus einem Bestand nur eine Stückzahl statt einer Zeit.

Produkt oder Leistung Menge im Jahr Takt

3Die Prozesse

In der Reihenfolge des Wertstroms, ein Block je Prozess. Die Nummer ist zugleich die Prozessreihenfolgenummer, auf die sich die Bestände weiter unten beziehen. Schwankt eine Zeit, trägst du besten und schlechtesten Fall getrennt ein — nie einen Durchschnitt.

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4Die übergreifenden Probleme

Hier stehen die Probleme, die über die ganze Prozesskette gehen. Was nur an einem Prozess hängt, trägst du oben bei diesem Prozess ein. Nicht die Ursache und nicht die Lösung aufschreiben — nur, welches Problem wo auftritt. Im Online-Seminar heißt es dazu: „Ich will hier jetzt auch keine Probleme lösen, sondern nur erfassen. Denn Probleme gibt es massenweise."

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5Die Bestände

Zähle früh am Morgen, wenn nichts läuft — bewegt sich der Bestand beim Zählen, zählst du doppelt. Mindestens drei Durchgänge an verschiedenen Tagen. Die Wartezeit rechnet die Seite: Anzahl geteilt durch den Tagesbedarf. Gleiche Position mehrfach gezählt? Dann werden der kleinste und der größte Wert zu bestem und schlechtestem Fall.

DatumUhrzeitWo liegt der Bestand? Anzahl der BeständeWelches Produkt? Wartezeit

6Die Symbole

Die neunzehn Zeichen, aus denen ein Wertstrom besteht. Sie funktionieren intuitiv — trotzdem lohnt ein Blick, bevor du anfängst. Im Blatt von 2017 fehlte Heijunka, obwohl Schritt 7 des Fantasiedesigns es verlangt; hier ist es dabei.

  • Prozesskasten Ein Prozessschritt. Darin stehen die Zeiten und alle anderen Daten des Prozesses. Manchmal hilft es, ein Foto vom Prozess einzukleben, damit jeder weiß, worum es geht.
  • Zulieferer oder Kunde Markiert Anfang und Ende aller Prozesse. Statt Lieferant und Kunde kann hier auch die Abteilung davor und die Abteilung danach stehen — dann gilt die Betrachtung für einen einzelnen Bereich.
  • Mitarbeiter Der Bediener am Prozess. Daneben steht, wie viele Mitarbeiter der Prozess braucht.
  • Push-Pfeil — schieben Der Prozess schiebt das Produkt weiter, weil er es kann — nicht, weil der nächste Schritt es verlangt. Er produziert, weil es jemand angeordnet hat, weil Material da ist oder weil sonst nichts zu tun ist. So entstehen Bestände.
  • Pull-Pfeil — ziehen Der Schritt davor produziert nur, wenn der Schritt danach es wirklich verlangt. Der nachfolgende Schritt zieht und bestimmt, wann dort was produziert wird.
  • FiFo — First in, First out Das erste Teil, das hineingeht, kommt auch als erstes wieder heraus. Es wird nicht willkürlich vom Bestand abgearbeitet, sondern der Reihe nach.
  • Manueller Informationsfluss Einer sagt dem anderen, was zu tun ist — der Vorarbeiter steuert die Mitarbeiter am Prozess. Mündlich oder auf Papier.
  • Elektronischer Informationsfluss Die Information läuft über ein System — eine Bestellung über das Internet, eine Meldung aus dem Programm.
  • Transport Ein Transportvorgang zwischen zwei Schritten. Ob LKW, Stapler oder etwas anderes gezeichnet wird, ist egal — Hauptsache, alle verstehen es auf Anhieb.
  • Bestand Das wartende Produkt vor, zwischen und nach den Prozessen. Darunter stehen Anzahl und Produktart.
  • Lager Hier wird gelagert — mal wird etwas herausgenommen, mal etwas hineingelegt. Daneben gehört, was drin ist und wie viel.
  • Prüfung oder Abnahme Hier wird geprüft oder abgenommen. Meist wartet das Produkt so lange, bis die Abnahme, die Prüfung oder die Durchsprache erfolgt ist.
  • Datenkasten Ein Viereck für Zahlen. Am Ende der Zeitlinie steht darin die Summe aller Zeiten — sonst alles, was man festhalten will.
  • Auffälligkeit oder Potential Markiert die großen Ausreißer: eine zu hohe Rüstzeit, ein sehr hoher Bestand. Mehrere davon sind ausdrücklich erlaubt.
  • Supermarkt Ein definierter Bestand: wie viele Teile mindestens und höchstens zwischen zwei Schritten liegen dürfen. Oben steht das Maximum, unten das Minimum. Der runde Pfeil daneben ist die Entnahme. Ist der Bestand nicht definiert, nimmt man das Dreieck.
  • Produktionskanban Das Signal: Dieser Schritt soll eine festgelegte Stückzahl produzieren oder liefern. Die Stückzahl steht im Symbol, Linie und Pfeil sagen, wohin.
  • Entnahmekanban Das Gegenstück: Dieser Schritt entnimmt eine festgelegte Stückzahl aus dem Supermarkt.
  • Zeitlinie Läuft unter den Prozessen und Beständen: Der Tiefpunkt ist die Zykluszeit des Prozesses darüber, der Hochpunkt die Liege- oder Wartezeit des Bestands.
  • Heijunka — jeden Tag jede Sorte Sagt: Von jeder Sorte wird jeden Tag etwas hergestellt, statt eine Sorte wochenlang am Stück. Das ist die Antwort auf den Forrester-Effekt.

7Wertstrom zeichnen

Jetzt wird gezeichnet — nicht am Bildschirm, sondern auf Papier. Am besten auf Brown Paper an der Wand, sonst auf einem Flipchart, mit Post-its und Karten, damit sich alles verschieben lässt. Und nicht allein: Die Leute, die in dem Bereich arbeiten, stehen dabei und zeichnen mit. Zeichne so nah an der Wirklichkeit, wie du kannst — die echten Wege, die echten Bestände, die echten Zeiten, auch die unangenehmen. Ein geschöntes Papier führt zu einem geschönten Ergebnis.

Die Zeichnung hier oben ist nur die Anleitung: Sie zeigt bei jedem Schritt, was jetzt auf dein Papier kommt. Sie ersetzt das Zeichnen nicht.

Kunde27 Radios am TagUnterbau2 MitarbeiterRüstzeit 15 MinOEE 0,75Elektronik1 MitarbeiterRüstzeit 53 MinOEE 0,69Endabnahme2 MitarbeiterRüstzeit 15 MinOEE 0,75Lieferant2× die Woche4.318 Teile350 Stück180 Stück95 Stück27 m18 mProduktionssteuerungsteuert jeden Prozess einzeln10,0 Tage7–15 Min12,9 Tage14–19 Min6,7 Tage14–18 Min3,5 TageDurchlaufzeit 33,1 TageGesamtzykluszeit 52 Min · Fließgrad 0,11 %Lager zu großwartet 12,9 TageRüstzeit zu hochmin 28 · max 56SchrittmacherHeijunka — jeden Tag jede SorteDurchlaufzeit 5,9 Tagestatt 33,1 Tage · Fließgrad 0,6 %
So sieht beispielhaft ein fertiger Wertstrom aus.

Wertstrom-Analyse

Das erste Blatt: wie es heute wirklich ist. Vierzehn Schritte, in denen der Wertstrom auf dem Papier wächst. Hier werden Daten erfasst, keine Lösungen gesucht.

  1. Schritt 1 Beginne den Wertstrom und trage den Kundenbedarf ein.

    Rechts oben steht, wer abnimmt, und was er fordert — der Kunde, oder die Abteilung nach dir. Den Tagesbedarf und den Takt rechnet dir der Abschnitt „Bedarf“ auf dieser Seite aus.

  2. Schritt 2 Benenne die Prozessschritte und trage ihre Daten in die Kästen ein.

    Je Prozess ein Kasten — egal, ob dort ein Teil bearbeitet, geprüft oder eine Leistung erbracht wird. Klebe, wenn möglich, ein Foto dazu; dann weiß jeder auf Anhieb, wovon die Rede ist.

  3. Schritt 3 Trage den Lieferanten und die Lieferdaten ein.

    Links oben steht, wer liefert. Das kann ein Lieferant sein, ebenso gut die Abteilung vor dir oder ein Lager — dann gilt die Betrachtung für einen einzelnen Bereich.

  4. Schritt 4 Zeichne die Bestände ein und gib ihre Anzahl an.

    Zähle früh am Morgen, wenn nichts läuft: Bewegt sich der Bestand beim Zählen, zählst du doppelt. Zähle an mehreren Tagen und trage jedes Ergebnis einzeln ein.

  5. Schritt 5 Zeichne die Flusspfeile ein und gib die Entfernungen an.

    Geschoben oder gezogen — das entscheidet, welchen Pfeil du nimmst. Die Meter schreitest du ab; interessant sind nur die Ausreißer.

  6. Schritt 6 Zeichne die Informationsflüsse ein.

    Über den Prozesskästen: Wer sagt wem, was zu tun ist. Gerade Linie für mündlich oder auf Papier, gezackte für elektronisch.

  7. Schritt 7 Zeichne die Zeitlinie ein.

    In die Tiefpunkte die Zykluszeiten der Prozesse, auf die Hochpunkte die Wartezeiten der Bestände. Die Wartezeiten rechnet dir der Abschnitt „Bestände“ aus.

  8. Schritt 8 Notiere Durchlaufzeit, Gesamtzykluszeit und Fließgrad.

    Alle drei stehen rechts unter „Dein Stand“, sobald Zykluszeiten und Bestände eingetragen sind. Der Fließgrad ist der Anteil der Gesamtzykluszeit an der Durchlaufzeit.

  9. Schritt 9 Markiere alle Auffälligkeiten und Potentiale.

    Ein Stern oder Blitz an jede große Auffälligkeit: eine zu hohe Rüstzeit, ein sehr hoher Bestand, ein Weg von 360 Metern, wo sonst 20 liegen.

  10. Schritt 10 Zeichne das Taktdiagramm mit allen Prozessen und ihren Zykluszeiten.

    Ein zweites Blatt: senkrecht die Zeit, waagerecht die Prozesse, je Prozess ein Balken in Höhe seiner Zykluszeit im schlechtesten Fall.

  11. Schritt 11 Errechne den Kundentakt mit OEE und zeichne ihn als Linie ins Taktdiagramm.

    Der Kundentakt-Rechner macht das für eine und für mehrere Sorten; den Wert kannst du dir auf dieser Seite mit einem Klick holen.

  12. Schritt 12 Ergänze neu erkannte Probleme.

    Beim Zeichnen fällt Neues auf, das beim ersten Rundgang niemand gesagt hat. Trag es in den Abschnitt „Probleme“ ein, nicht an den Rand des Wertstroms — dort geht es unter. Wieder gilt: nur, was passiert; nicht warum, und nicht, was man tun sollte.

  13. Schritt 13 Besprich alles mit jedem, der mit diesen Prozessen zu tun hat.

    Wertstrom, Taktdiagramm, die Prozessdaten und die Probleme. Am Brown-Paper, mit Post-its und Karten — nicht am Bildschirm.

  14. Schritt 14 Korrigiere alle Fehler und fotografiere den Wertstrom als Nachweis.

    Eine Analyse dauert Wochen, nicht Tage. Im Online-Seminar heißt es dazu: „Investiere mehr Zeit in das Verstehen des Problems als in die Umsetzung der Lösung."

Fantasiedesign

Ein neues, leeres Blatt — die Analyse bleibt unangetastet hängen. Du zeichnest den Wertstrom noch einmal von vorne, aber so, wie er sein müsste: mit allem, was du beim Analysieren gelernt hast, und ohne Rücksicht darauf, was gerade geht. Deshalb Fantasie.

  1. Schritt 1 Lege die künftige Menge fest und rechne den neuen Kundentakt.

    Immer nur auf das erste Ziel zugehen, nie gleich auf das größte. „Du veränderst und verbesserst ein Unternehmen in Schritten und nicht in Sprüngen."

  2. Schritt 2 Bring jeden Prozess an den Kundentakt heran.

    Nicht darüber und nicht weit darunter. Zu langsam? Schicht dazu oder Prozess teilen. Zu schnell? Prozesse zusammenlegen. Ein Beispiel aus der Praxis: Dort wurden die Montage und die Programmierung der Elektronik zu einem Schritt.

  3. Schritt 3 Trage die Veränderungen aus dem Taktdiagramm in den Wertstrom ein.

    Was du im Taktdiagramm verschoben hast, muss auch im Wertstrom stehen. Zwei zusammengelegte Prozesse werden ein Kasten — und der Bestand, der vorher dazwischenlag, fällt damit von selbst weg. Rechne die Daten des neuen Kastens zusammen: Zykluszeiten addieren, Rüstzeit neu schätzen.

  4. Schritt 4 Definiere die Bestände und halte sie so klein wie möglich.

    Im besten Fall wartet nichts. Wo doch etwas liegen muss, bekommt es ein Minimum und ein Maximum — Kanban sagt: was du brauchst, mal zwei. Danach Zeiten und Fließgrad neu rechnen.

  5. Schritt 5 Bestimme einen Schrittmacherprozess.

    Nur eine Stelle steuert. Bei sehr vielen Prozessen übergangsweise auch mehrere — Ziel bleibt einer. Ein Beispiel aus der Praxis: Dort wurde es der Supermarkt direkt vor dem Abnehmer.

  6. Schritt 6 Lass die Prozesse untereinander ziehen.

    Bisher schiebt jeder weiter, was er fertig hat. Jetzt holt sich jeder Prozess beim Vorgänger, was er gerade braucht — jeder sieht den nächsten als seinen Kunden. Zeichne dafür gezogene statt geschobener Pfeile. Was nach dem Schrittmacher kommt, braucht keinen Supermarkt mehr, sondern läuft in fester Reihenfolge durch: FiFo, wo das Älteste zuerst muss; LiFo nur dort, wo nichts verdirbt.

  7. Schritt 7 Lege fest, dass jeden Tag jede Sorte gefertigt wird.

    Heijunka. Trage die Anzahl der Sorten und den Bedarfszeitraum ein. Das Ziel: öfter wechseln, damit der Forrester-Effekt kleiner wird.

  8. Schritt 8 Erstelle das KPI-Chart und vergleiche IST und Design.

    Bearbeitungszeit, Durchlaufzeit, Anzahl der Bestände, Fließgrad, Platzbedarf und Wege — vorher gegen nachher. Die Bearbeitungszeit gehört immer dazu, sonst sieht man nur, dass es schneller wurde, aber nicht warum. Für die Wege hilft das Spaghetti-Diagramm. Das Chart hat genau einen Zweck: jemanden in kürzester Zeit von der Veränderung zu überzeugen.

  9. Schritt 9 Fotografiert das fertige Fantasiedesign.

    Das zweite Blatt ist fertig. Fotografiere es, bevor ihr im Wertstromdesign daran arbeitet — sonst ist später nicht mehr nachvollziehbar, wo ihr Abstriche gemacht habt und wo nicht.

Wertstrom-Design

Aus der Fantasie wird das, was wirklich umgesetzt wird. Mit allen Beteiligten am Tisch wird der Entwurf so lange an die Wirklichkeit angepasst, bis er machbar ist — ohne dass die gute Idee dabei verlorengeht.

  1. Schritt 1 Besprich das Fantasiedesign mit allen Beteiligten. Sei mutig.

    Mitarbeiter, Führungskräfte und Lieferanten an einen Tisch. „Das haben wir noch nie so gemacht“ gehört dazu — ohne Mut keine Veränderung.

  2. Schritt 2 Passt Taktdiagramm und Wertstrom gemeinsam an.

    Jetzt kommt zum ersten Mal die Wirklichkeit dazu: eine Maschine, die nicht umziehen kann, ein Vertrag, eine fehlende Qualifikation. Ändert nur, was wirklich im Weg steht, und schreibt daneben, warum. Das Ziel ist nicht, dass alle zufrieden sind — das Ziel ist ein Design, das umgesetzt wird.

  3. Schritt 3 Führt Testläufe durch, wo etwas unsicher ist.

    Mit PDCA-Zyklen. Geschätzte Zeiten für ein neues Produkt sind genau so ein Fall — danach werden die Daten im Design berichtigt.

  4. Schritt 4 Gestaltet, wenn nötig, das Layout des Bereichs neu.

    Wenn Prozesse zusammengelegt wurden oder Wege wegfallen sollen, stimmt die alte Aufstellung nicht mehr. Zeichnet den Grundriss maßstäblich auf und legt die Arbeitsplätze neu — am besten als U-Zelle, damit kurze Wege entstehen und eine Person bei Bedarf zwei Plätze bedienen kann. Das Spaghetti-Diagramm zeigt vorher und nachher, wie viel Weg ihr wirklich gespart habt.

  5. Schritt 5 Berechne zuletzt die notwendige Mitarbeiteranzahl.

    Erst jetzt, nicht vorher: Teile die Gesamtzykluszeit durch den Kundentakt, dann weißt du, wie viele Leute der neue Wertstrom braucht. Wer mit der Personalfrage anfängt, bekommt kein Design, sondern eine Abwehrhaltung — und die Leute, die dir alles zeigen sollten, sagen nichts mehr. Sag von Anfang an, wohin frei werdende Kapazität geht.

  6. Schritt 6 Passt KPI-Chart, Taktdiagramm und Wertstrom erneut gemeinsam an.

    Nach den Testläufen und dem neuen Layout stimmen ein paar Zahlen nicht mehr — Zykluszeiten, Wege, Bestände. Zieht alle drei Blätter noch einmal nach, damit sie zusammenpassen. Das ist normal und kein Rückschlag: Ein Design, das sich nach dem ersten Test nicht ändert, wurde nicht ernsthaft getestet.

  7. Schritt 7 Notiert gemeinsam alle festgelegten Maßnahmen.

    Dabei helfen: 5S, Kanban, SMED, Cardboard-Engineering, SOP, OPL, LCA, Shopfloor Management, A3, 8D, PDCA, FMEA, SIPOC, REFA-Arbeitssystem, U-Zellenaufstellung, die 8 Elemente der Arbeitsstruktur, IBA-Informationssystem.

  8. Schritt 8 Bringt die Maßnahmen in eine Reihenfolge.

    Nach der Leipnitz-Maxime, vom Kunden abwärts. Innerhalb eines Prozessschritts helfen das Kosten-Nutzen-Diagramm, die ABC-Analyse oder das Pareto-Prinzip.

  9. Schritt 9 Fotografiert das fertige Wertstromdesign.

    Das dritte und letzte Blatt. Im PDF steht dahinter ein Rahmen dafür — damit später jeder sieht, worauf ihr euch geeinigt habt, auch wenn das Papier längst abgehängt ist.

8Abschluss

Was herausgekommen ist — und worauf es sich übertragen lässt. Das ist der Teil, den du beim nächsten Wertstrom zuerst wieder liest.

Gebraucht Rechnet sich aus Beginn und Ende.

Das Brown-Paper hängt nicht ewig. Ein Foto vom IST-Wertstrom, vom Fantasiedesign und vom fertigen SOLL — mehr braucht die Digitalisierung nicht.

Können die Maßnahmen auf gleiche Arbeitsplätze übertragen werden?

Gleiche Arbeitsplätze sind Plätze, an denen dieselbe Arbeit gemacht wird — die zweite Linie, die Schwesterhalle, der andere Standort. Wirkt deine Maßnahme dort genauso, hast du sie mit einem Wertstrom mehrfach verdient.

Können die neu entstandenen Systeme oder Standards auf andere Prozesse übertragen werden?

Gemeint ist nicht die Maßnahme selbst, sondern das, was um sie herum entstanden ist: ein Kanban, eine Regel für die Losgröße, ein Standard fürs Rüsten. So etwas trägt oft weiter als der Wertstrom, in dem es erfunden wurde.

Deine Meinung zu diesem Formular

Was ist deine Meinung, oder was sollte verbessert werden? Name und E-Mail-Adresse sind optional — ohne Angaben bleibt deine Meinung absolut anonym.

Weitere Vorlagen zu diesem Thema

Einige bauen auf dieser Seite auf, andere ergänzen sie. Manche liefern dir die Zahlen, mit denen du hier weiterarbeiten kannst.

Makigami-Leitfaden Vorschau: Makigami-Leitfaden Formular

Makigami-Leitfaden

Für Abläufe, die durchs Büro UND durch die Halle gehen. Zeigt, wie oft eine Aufgabe den Bereich wechselt und wie lange sie dazwischen liegt.

Prozessmapping-Leitfaden Vorschau: Prozessmapping-Leitfaden Formular

Prozessmapping-Leitfaden

Hält fest, wer welchen Schritt macht und an wen er ihn weitergibt. Zeigt Doppelarbeit und Stellen, an denen niemand zuständig ist.

Kundentakt Vorschau: Kundentakt Rechner

Kundentakt

Rechnet aus, wie schnell gearbeitet werden muss, damit der Kunde bekommt, was er bestellt hat — die Grundzahl jeder Planung.

Fließgrad Vorschau: Fließgrad Rechner

Fließgrad

Rechnet aus, wie viel der Durchlaufzeit echte Arbeit ist und wie viel nur Liegen und Warten. Meist ist der Anteil erschreckend klein.