Nacharbeit
Nacharbeit ist jede Arbeit, die nur nötig wird, weil etwas beim ersten Mal nicht richtig gemacht oder nicht richtig übergeben wurde.

Beispiel:
In einer Kfz-Werkstatt werden Räder eingelagert. Beim ersten Mal wird das Fahrzeugkennzeichen auf den Reifensatz geschrieben, sonst nichts. Beim Abholen im Frühjahr fehlt an 30 von 210 Sätzen die Angabe, welche Achse vorn war. Ein Mitarbeiter fährt zum Lager, misst die Profiltiefen nach und entscheidet neu: 12 Minuten je Fall, zusammen sechs Stunden.
Dieselben sechs Stunden hätte das Anschreiben aller 210 Sätze gekostet, wenn es beim Einlagern gleich mit erledigt worden wäre — bei etwa zwei Sekunden je Satz allerdings nur sieben Minuten.
In einem Rechenzentrum sieht es so aus: Von 96 Änderungsanträgen eines Quartals kamen 23 zurück, weil die betroffenen Systeme nicht vollständig benannt waren. Jede Rückfrage kostete zwei Tage Liegezeit und zwei Mal zwanzig Minuten Arbeit — an zwei verschiedenen Schreibtischen.
Vorteile:
+ die Nacharbeitsquote je Übergabestelle zeigt, wo eine Übergabe unvollständig ist — sie ist damit die genaueste Landkarte der Schnittstellen
+ sie lässt sich fast immer ohne Investition senken, weil die Ursache in der Regel eine fehlende Angabe ist und nicht fehlendes Können
Hinweise:
Nacharbeit versteckt sich, weil sie wie Arbeit aussieht. Wer sie nicht getrennt erfasst, sieht nur eine ausgelastete Abteilung und schließt daraus auf zu wenig Personal.
Die Frage, die sie sichtbar macht, ist immer dieselbe: Hätte dieser Handgriff entfallen können, wenn der Schritt davor vollständig gewesen wäre? Wer diese Frage eine Woche lang bei jeder Tätigkeit stellt, findet mehr als jede Prozessanalyse.
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