Prozessmapping-Leitfaden

Das Prozessmapping macht sichtbar, was im Büro sonst niemand sieht: wer welchen Schritt übernimmt, wann er ihn übernimmt und wie der Vorgang zum Nächsten kommt. Drei Fragen genügen dafür — Wer? Macht was? Womit? Jeder Beteiligte bekommt seine eigene Zeile, eine Schwimmbahn, und darin kleben seine Aufgaben in der Reihenfolge, in der sie wirklich passieren. Darunter läuft die Zeitlinie mit Bearbeitungs- und Wartezeit. Dieser Leitfaden führt dich durch alle drei Teile: die Analyse des IST-Zustands, das Fantasiedesign und das fertige Prozessmapping-Design. Ausfüllen kannst du ihn direkt hier, mitnehmen als PDF.

Wer? Macht was? Womit? die ganze Struktur
Links steht, wer zuständig ist — ein Bereich oder eine Person. Rechts steht, was er tut. Und auf der Verbindung dazwischen steht, wie der Vorgang weitergeht: als E-Mail, im System, per Telefon oder von Hand hinübergetragen. Mehr braucht ein Prozessmapping nicht.
Welche Art wann eine Empfehlung, keine Regel
Alle drei Gesamtbetrachtungen zeigen dasselbe: den Weg des Produkts oder der Leistung. Erfahrungsgemäß passt der Wertstrom am besten in der Produktion, das Prozessmapping in der Verwaltung und das Makigami dort, wo beides zusammenkommt. Das ist eine Empfehlung aus der Praxis — nimm die Art, mit der ihr euren Ablauf am besten darstellen könnt.
Auf Post-its nicht am Bildschirm
Gezeichnet wird auf Brown-Paper oder Flipchart — und die Vorgänge kommen auf Post-its, nicht direkt aufs Papier. Im Büro weiß oft niemand genau, wer was tut; in der ersten Runde ändert sich die Hälfte wieder. Ein Post-it lässt sich ersetzen und verschieben, ein Filzstiftstrich nicht. Digitalisiert wird am Ende mit einem Foto.

Dein Prozessmapping

Zugang nötig — damit deine Eingaben gespeichert werden

Ausfüllen und rechnen kannst du alles. Ohne Zugang steht es aber nur in diesem Fenster — beim Schließen ist es weg.

1Vorbereitung

Wo, mit wem und ab wann. Setz die Dauer nicht zu knapp an: Im Beispiel des Online-Seminars zog sich allein die Analyse über mehrere Sitzungen mit allen Beteiligten. „Investiere mehr Zeit in das Verstehen des Problems als in die Umsetzung der Lösung."

Wer wirkt am Prozessmapping mit?

Eine Person je Feld, mit Vor- und Nachnamen. Leere Felder bleiben leer.

Der Haken ist die Startfreigabe. Du fragst Leute, wie lange sie für ihre Arbeit brauchen und wie viel bei ihnen liegen bleibt — wer davon überrascht wird, antwortet zuerst darauf, dass er an nichts schuld ist. Und ohne die Führungskraft am Tisch fang gar nicht erst an: Was ihr festlegt, entscheidet am Ende ohnehin sie. Ein Beispiel aus der Praxis: Als der Einkauf 30 bis 40 Stunden Bearbeitungszeit nannte, lachte der Kollege aus dem Wareneingang — beide saßen im selben Raum, und erst dadurch kam es heraus.

Die zehn Regeln

  1. Führe eine Gesamtbetrachtung bei jeder Veränderung durch. Gibt es schon eine, wird sie angepasst statt neu gemacht.
  2. Ignoriere Abteilungen und Funktionen. Es zählt der Weg, den der Vorgang nimmt, nicht das Organigramm.
  3. Betrachte alle Produkte oder Leistungen des Bereichs, nicht eines oder zwei.
  4. Geh davon aus, dass niemand die Probleme des Bereichs kennt und sie erst verstanden werden müssen. Im Büro ist das keine Höflichkeit: Dort sieht man von außen nur Mitarbeiter und Bildschirme — welcher Vorgang gerade läuft, sieht niemand.
  5. Führe sie handschriftlich durch — Brown-Paper, Flipchart, Post-its, Karten. Vermeide den Computer. Im Büro gilt das besonders für Post-its: In der ersten Runde wird die Hälfte der Angaben wieder geändert, und ein Post-it lässt sich ersetzen und verschieben.
  6. Erfasse immer den IST-Zustand. Nicht, wie es einmal war, und nicht, wie es sein soll — wie es in diesem Moment ist.
  7. Bei der Analyse werden Daten erfasst, keine Lösungen gesucht.
  8. Prüfe die erfassten Zahlen nach. Nimm sie nicht hin und verwerte sie nicht sofort als wahr. Ein Beispiel aus der Praxis: Als der Einkauf 30 bis 40 Stunden Bearbeitungszeit nannte, lachte der Kollege aus dem Wareneingang — echte Arbeitszeiten sind im Büro fast nie erfasst.
  9. Keine Zahl als Durchschnitt oder Mittelwert. Schwankt sie, schreibst du besten und schlechtesten Fall auf — BC für Best Case, WC für Worst Case.
  10. Alle Beteiligten und die Führungskraft sitzen mit im Raum. Fehlt die Führungskraft, brauchst du gar nicht erst anzufangen: Was ihr festlegt, entscheidet am Ende ohnehin sie.

2Der Bedarf

Wie viele Vorgänge im Jahr durchlaufen — je Auftragsart. Und das ist im Büro die entscheidende Unterscheidung: Nicht die Stückzahl zählt, sondern die Anzahl der Aufträge. Ein Auftrag über 300 Stück und einer über 1.000 machen für die Verwaltung dieselbe Arbeit. Aus der Jahreszahl wird der Tagesbedarf, daraus der Takt, und aus dem Takt wird jede Wartezeit weiter unten.

Produkt oder Leistung Menge im Jahr Takt

3Die Vorgänge

In der Reihenfolge des Ablaufs, ein Block je Vorgang. Neben dem Namen steht, wer ihn macht — daraus entstehen die Schwimmbahnen; wer mehrere Vorgänge hat, bekommt eine Zeile für alle. Die Nummer ist zugleich die Reihenfolgenummer, auf die sich die wartenden Vorgänge weiter unten beziehen. Schwankt eine Zeit, trägst du besten und schlechtesten Fall getrennt ein — nie einen Durchschnitt. Bleib grob: Lieber mehrere Handgriffe zu einem Vorgang bündeln, als gleich ins Detail zu gehen.

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Daraus werden deine Schwimmbahnen

4Die übergreifenden Probleme

Hier stehen die Probleme, die über die ganze Kette gehen. Was nur an einem Vorgang hängt, trägst du oben bei diesem Vorgang ein. Nicht die Ursache und nicht die Lösung aufschreiben — nur, welches Problem wo auftritt. Im Online-Seminar heißt es dazu: „Ich will hier jetzt auch keine Probleme lösen, sondern nur erfassen. Denn Probleme gibt es massenweise."

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5Die wartenden Vorgänge

Zähle, wie viele Aufträge gerade warten: im Posteingang, im Ablagekorb, in der Warteschlange des Systems. Zähl schnell — der Bestand bewegt sich, und wer lange braucht, zählt doppelt. Mindestens drei Durchgänge an verschiedenen Tagen. Die Wartezeit rechnet die Seite: Anzahl geteilt durch den Tagesbedarf. Karsten im Online-Seminar dazu: „So einfach, wie die Rechnung ist, so effektiv ist sie auch … das Ergebnis stimmt zu mindestens 90 Prozent mit der tatsächlichen Wartezeit überein." Gleiche Stelle mehrfach gezählt? Dann werden der kleinste und der größte Wert zu bestem und schlechtestem Fall.

DatumUhrzeitWo warten sie? Wie viele warten?Welche Auftragsart? Wartezeit

6Die Symbole

Die dreizehn Zeichen, aus denen ein Prozessmapping besteht. Die sechs Übergabezeichen unten sind ausdrücklich kein feststehender Standard — Karsten im Online-Seminar: „Du kannst die Symbole ganz intuitiv so einzeichnen, wie du und alle anderen sie am besten verstehen." Wichtig ist nur, dass die Art der Weitergabe überhaupt dransteht. Genau dort fallen die großen Verschwendungen auf.

  • Vorgang Eine Aufgabe, kurz und für alle verständlich beschrieben. Das Viereck musst du nicht malen — nimm ein Post-it und schreib den Vorgang darauf. Es klebt in der Zeile des Bereichs, der damit zu tun hat.
  • Vorgangsaufteilung Hier geht es in mehrere Richtungen weiter — meist eine Prüfung: bestanden, also weiter; nicht bestanden, also zurück. In die Ecken schreibst du, wohin es geht, und am besten mit welcher Wahrscheinlichkeit: 70 Prozent zurück zum Kunden, 30 Prozent weiter ins Lager. Ein Post-it um 45 Grad gedreht ist die Raute.
  • Verbindungslinie oder Verbindungspfeil Verbindet die Vorgänge, damit man sieht, wie die Abläufe zusammenhängen. Zeichne sie erst ein, wenn mit den Mitarbeitern eindeutig geklärt ist, was tatsächlich passiert — vorher radierst du dauernd.
  • Mitarbeiter Wer den Vorgang ausführt. Daneben steht, wie viele Mitarbeiter dafür gebraucht werden.
  • Datenkasten Ein Viereck für Zahlen. Am Ende der Zeile stehen darin die Summen — die gesamte Bearbeitungszeit und die gesamte Wartezeit.
  • Zeitlinie Läuft unter den Schwimmbahnen: Im Tiefpunkt steht die Bearbeitungszeit des Vorgangs darüber, auf dem Hochpunkt die Wartezeit. Die Wartezeit heißt auch Liegezeit — ein Vorgang liegt die meiste Zeit herum und wartet.
  • Auffälligkeit oder Potential Markiert, was auffällt: ein fehlerhaftes Programm, ein nicht genutzter Arbeitsplatz, eine Wartezeit von einem Monat. Mehrere Sterne und Blitze sind ausdrücklich erlaubt.
  • Händische Übergabe Jemand steht auf und trägt den Vorgang hinüber: der Lagermitarbeiter läuft mit dem Auftragsschein zur Verpackung. Kostet Zeit, hinterlässt aber keine Spur — hinterher weiß niemand mehr, wann es war.
  • E-Mail-Übergabe Der Vorgang wandert als Nachricht weiter. In unserem Beispiel kommt die Bestellung als E-Mail herein und läuft als E-Mail ins Lager — und wartet dort zwischen zwei und zwölf Tagen.
  • Papier-, Brief- oder Paketübergabe Auf Papier weitergegeben — im Fach, über die Post, über den internen Botendienst. Vergiss die Laufzeit nicht: Sie gehört zur Wartezeit.
  • Digitale Übergabe Der Vorgang liegt in einem System: Warenwirtschaft, Ticketsystem, gemeinsamer Ordner. Auch dort wartet er — nur sieht man es nicht.
  • Mündliche Übergabe Einer sagt es dem anderen. Steht das oft im Prozessmapping, ist der Ablauf nur so lange stabil, wie beide da sind.
  • Telefonische Übergabe Weitergabe per Anruf. Bei ihr fehlt hinterher jede Spur — wer nachfragt, wann etwas übergeben wurde, bekommt keine Antwort.

7Prozessmapping zeichnen

Jetzt wird gezeichnet — nicht am Bildschirm, sondern auf Papier. Am besten auf Brown Paper an der Wand, sonst auf einem Flipchart. Schreib die Vorgänge auf Post-its und nicht direkt aufs Papier: Im Büro weiß oft niemand genau, wer was tut, und in der ersten Runde wird die Hälfte wieder geändert. Und nicht allein: Alle Beteiligten stehen dabei, die Führungskraft eingeschlossen — fehlt sie, fang gar nicht erst an. Zeichne so nah an der Wirklichkeit, wie du kannst, auch bei den unangenehmen Zahlen. Ein geschöntes Papier führt zu einem geschönten Ergebnis.

Die Zeichnung hier oben ist nur die Anleitung: Sie zeigt bei jedem Schritt, was jetzt auf dein Papier kommt. Sie ersetzt das Zeichnen nicht.

170 Aufträge im Jahralle 2,2 Tage einerAuftragsabwicklungLagerEinkaufWareneingangTransportAuftrag prüfenVerfügbarkeitBestellenStücklistenTransportWartenArbeiten3–5 Tage10–12 Std2–12 Tage6–9 Std7–31 Tage30–40 Std10–20 Std2–5 Tage18–24 StdProzesskosten — dritte Zeile, nur bei viel Outsourcing70 % zurück zum KundenDurchlaufzeit 16 bis 56 TageBearbeitung 74–105 Std · Fließgrad 7,8–19,3 %70 % abgelehntnur 2× die Woche besetztZeitangabe zweifelhaftWareneingang übernimmt5–15 Std vom Einkaufmax 2max 4max 6max 2SchrittmacherNach dem Schrittmacher gilt FiFo — wer zuerst kommt, wird zuerst bedient.Durchlaufzeit 14 bis 29 Tagestatt 16 bis 56 Tage · Fließgrad 15–22 %
So sieht beispielhaft ein fertiges Prozessmapping aus.

Prozessmapping-Analyse

Das erste Blatt: wie es heute wirklich ist. Zwölf Schritte, in denen das Prozessmapping auf dem Papier wächst. Hier werden Daten erfasst, keine Lösungen gesucht.

  1. Schritt 1 Beginne das Prozessmapping und trage den Kundenbedarf ein.

    Rechts oben steht, wie viele Vorgänge im Jahr abzuwickeln sind. Achtung, das ist die entscheidende Zahl im Büro: Nicht die Stückzahl zählt, sondern die Anzahl der Aufträge. Im Beispiel schwanken die Aufträge zwischen 300 und 1.000 Stück — für die Auftragsabwicklung ist das derselbe eine Vorgang. Den Takt rechnet dir der Abschnitt „Bedarf“ auf dieser Seite aus.

  2. Schritt 2 Trage alle Bereiche und Personen ein und trenne sie durch Linien.

    Das sind die Schwimmbahnen — untereinander alle, die an diesem Ablauf beteiligt sind. Ein Vorgang klebt später in der Zeile dessen, der ihn macht. Rechne damit, dass hier die ersten Diskussionen entstehen: Im Büro weiß oft niemand genau, wer was tut.

  3. Schritt 3 Benenne die Vorgänge und bringe sie in Reihenfolge.

    Ein Post-it je Vorgang, nicht direkt aufs Papier geschrieben — in der ersten Runde ändert sich die Hälfte wieder. Was nacheinander passiert, klebt nebeneinander von links nach rechts; was gleichzeitig läuft, klebt übereinander. Bleib grob: Bündle lieber mehrere Handgriffe zu einem Vorgang, als gleich ins Detail zu gehen.

  4. Schritt 4 Zeichne die Zeitlinie ein.

    Unter den Bahnen: in die Tiefpunkte die Bearbeitungszeit des Vorgangs darüber, auf die Hochpunkte die Wartezeit. Beides in bestem und schlechtestem Fall. Lagert dein Betrieb viel aus, kommt eine dritte Zeile dazu — die Prozesskosten.

  5. Schritt 5 Verbinde die Vorgänge und gib die Art der Übergabe an.

    Erst jetzt die Linien ziehen, nicht vorher: Solange nicht geklärt ist, was wirklich passiert, radierst du dauernd. Auf jede Linie kommt das Zeichen für den Weg — E-Mail, Telefon, Brief, jemand trägt es hinüber. Genau hier fallen die großen Verschwendungen auf.

  6. Schritt 6 Notiere Durchlaufzeit, Gesamtbearbeitungszeit und Fließgrad.

    Alle drei stehen rechts unter „Dein Stand“, sobald Bearbeitungszeiten und Bestände eingetragen sind. Der Fließgrad ist der Anteil der Bearbeitungszeit an der Durchlaufzeit. Erschrick nicht: 105 Stunden Arbeit gegenüber 53 Tagen Wartezeit sind das übliche Verhältnis.

  7. Schritt 7 Markiere alle Auffälligkeiten und Potentiale.

    Stern oder Blitz an jede große Auffälligkeit: eine Bearbeitungszeit, die aus der Reihe fällt, eine Wartezeit von einem Monat, ein Arbeitsplatz, der nur zweimal die Woche besetzt ist, ein Anteil abgelehnter Aufträge von 70 Prozent.

  8. Schritt 8 Zeichne das Taktdiagramm mit allen Vorgängen und ihren Bearbeitungszeiten.

    Ein zweites Blatt: senkrecht die Zeit, waagerecht die Vorgänge, je Vorgang ein Balken in Höhe seiner Bearbeitungszeit im schlechtesten Fall. Es zeigt in einem Bild, wer überlastet ist und wer nicht — im Beispiel lachte der eine über die 30 bis 40 Stunden des anderen, bis das Diagramm an der Wand hing.

  9. Schritt 9 Errechne den Kundentakt mit OEE und zeichne ihn als Linie ins Taktdiagramm.

    Achtung, der Takt ist nicht überall gleich: Er hängt an der Anzahl der Vorgänge und am OEE dieses Arbeitsplatzes. Im Beispiel sind es 10,1 Stunden für die Auftragsabwicklung, 9,1 für das nur zweimal wöchentlich besetzte Lager und 24,7 für alle übrigen.

  10. Schritt 10 Ergänze neu erkannte Probleme.

    Beim Zeichnen fällt Neues auf, das beim ersten Rundgang niemand gesagt hat. Trag es in den Abschnitt „Probleme“ ein, nicht an den Rand des Papiers — dort geht es unter. Wieder gilt: nur, was passiert; nicht warum, und nicht, was man tun sollte.

  11. Schritt 11 Besprich alles mit jedem, der mit diesen Vorgängen zu tun hat.

    Prozessmapping, Taktdiagramm, die Vorgangsdaten und die Probleme. Am Brown-Paper, mit Post-its und Karten — nicht am Bildschirm.

  12. Schritt 12 Korrigiere alle Fehler und fotografiere das Prozessmapping als Nachweis.

    Eine Analyse dauert mehrere Tage, oft Wochen. Im Online-Seminar heißt es dazu: „Investiere mehr Zeit in das Verstehen des Problems als in die Umsetzung der Lösung."

Fantasiedesign

Ein neues, leeres Blatt — die Analyse bleibt unangetastet hängen. Du legst den Ablauf noch einmal von vorne, aber so, wie er sein müsste: mit allem, was du beim Analysieren gelernt hast, und ohne Rücksicht darauf, was gerade geht. Deshalb Fantasie.

  1. Schritt 1 Lege die künftige Menge fest und rechne den neuen Kundentakt.

    Immer nur auf das erste Ziel zugehen, nie gleich auf das größte. „Du veränderst und verbesserst ein Unternehmen in Schritten und nicht in Sprüngen." Frag dabei die Leute selbst: Im Beispiel blieb die Zahl der Aufträge trotz höherer Stückzahl gleich — nur der Anteil der Absagen sank.

  2. Schritt 2 Bring jeden Vorgang an den Kundentakt heran.

    Nicht darüber und nicht weit darunter. Wer über dem Takt liegt, ist überlastet; wer weit darunter liegt, hat Zeit übrig. Das Schöne im Büro: Beides gleicht sich oft gegenseitig aus. Im Beispiel hatte der Einkauf 5 bis 15 Stunden zu viel und der Wareneingang genau diese 5 bis 15 Stunden zu wenig — also übernimmt der Wareneingang einen Teil.

  3. Schritt 3 Trage die Veränderungen aus dem Taktdiagramm ins Prozessmapping ein.

    Was du im Taktdiagramm verschoben hast, muss auch im Prozessmapping stehen. Zusammengelegte Vorgänge werden ein Post-it, und der Bestand, der vorher dazwischenlag, fällt damit von selbst weg.

  4. Schritt 4 Definiere die Bestände und halte sie so klein wie möglich.

    Die Durchlaufzeit besteht im Büro fast nur aus Wartezeit, und Wartezeit ist wartender Bestand. Lege fest, wie viele Vorgänge vor, zwischen und nach den Schritten liegen dürfen — ein Minimum und ein Maximum. Danach Zeiten und Fließgrad neu rechnen.

  5. Schritt 5 Bestimme einen Schrittmacher.

    Nur eine Stelle steuert. Im Büro ist das oft der erste Schritt: Wer die Aufträge annimmt, entscheidet, was überhaupt in die Kette geht. Steht der Schrittmacher vorn, müssen alle Schritte danach in fester Reihenfolge beliefert werden.

  6. Schritt 6 Lass die Vorgänge untereinander ziehen.

    Jeder Schritt holt sich beim Vorgänger, was er gerade braucht, statt weiterzuschieben, was er fertig hat. Nach dem Schrittmacher gilt FiFo: Wer zuerst kommt, wird zuerst bedient. Das Überspringen von Aufträgen fühlt sich flexibel an, erzeugt aber genau das Gegenteil — mehr Bestände, mehr Absprachen, längere Durchlaufzeiten. Das ist der Forrester-Effekt.

  7. Schritt 7 Lege fest, dass jeden Tag jede Auftragsart bearbeitet wird.

    Wenn jeden Tag Bedarf von jeder Art gemeldet wird, muss auch jeden Tag jede Art bearbeitet werden. Trage die Anzahl der Arten und den Bedarfszeitraum ein. Das Ziel: öfter wechseln, damit der Forrester-Effekt kleiner wird.

  8. Schritt 8 Erstelle das KPI-Chart und vergleiche IST und Design.

    Bearbeitungszeit, Durchlaufzeit, Anzahl der wartenden Vorgänge, Fließgrad und, wenn ihr sie erfasst habt, die Prozesskosten — vorher gegen nachher. Die Bearbeitungszeit gehört immer dazu, sonst sieht man nur, dass es schneller wurde, aber nicht warum. Das Chart hat genau einen Zweck: jemanden in kürzester Zeit von der Veränderung zu überzeugen.

  9. Schritt 9 Fotografiert das fertige Fantasiedesign.

    Das zweite Blatt ist fertig. Fotografiere es, bevor ihr im Design daran arbeitet — sonst ist später nicht mehr nachvollziehbar, wo ihr Abstriche gemacht habt und wo nicht.

Prozessmapping-Design

Aus der Fantasie wird das, was wirklich umgesetzt wird. Mit allen Beteiligten am Tisch wird der Entwurf so lange an die Wirklichkeit angepasst, bis er machbar ist — ohne dass die gute Idee dabei verlorengeht.

  1. Schritt 1 Besprich das Fantasiedesign mit allen Beteiligten. Sei mutig.

    Mitarbeiter, Führungskräfte und, wenn es sie betrifft, die Lieferanten an einen Tisch. „Das ist großartig“ und „Das geht aber so nicht“ kommen beide — ohne Mut keine Veränderung.

  2. Schritt 2 Passt Taktdiagramm und Prozessmapping gemeinsam an.

    Jetzt kommt zum ersten Mal die Wirklichkeit dazu: eine fehlende Qualifikation, ein Vertrag, eine Software, die es nicht hergibt. Ändert nur, was wirklich im Weg steht, und schreibt daneben, warum. Das Ziel ist nicht, dass alle zufrieden sind — das Ziel ist ein Design, das umgesetzt wird.

  3. Schritt 3 Führt Testläufe durch, wo etwas unsicher ist.

    Mit PDCA-Zyklen. Genau dafür sind sie da: Im Beispiel war der Leiter gegen FiFo, bis gesagt wurde „Testen wir es doch einfach“. Danach werden die Daten im Design berichtigt.

  4. Schritt 4 Gestaltet, wenn nötig, den Bereich neu.

    Wenn Vorgänge zusammengelegt wurden oder Wege wegfallen sollen, stimmt die alte Aufstellung nicht mehr. Im Büro heißt das: Wer viel miteinander zu tun hat, sitzt beieinander. Das Spaghetti-Diagramm zeigt vorher und nachher, wie viel Weg ihr wirklich gespart habt.

  5. Schritt 5 Berechne zuletzt die notwendige Mitarbeiteranzahl.

    Erst jetzt, nicht vorher: Teile die Gesamtbearbeitungszeit durch den Kundentakt, dann weißt du, wie viele Leute der Ablauf braucht. Wer mit der Personalfrage anfängt, bekommt kein Design, sondern eine Abwehrhaltung — und die Leute, die dir alles zeigen sollten, sagen nichts mehr. Sag von Anfang an, wohin frei werdende Kapazität geht.

  6. Schritt 6 Passt KPI-Chart, Taktdiagramm und Prozessmapping erneut gemeinsam an.

    Nach den Testläufen stimmen ein paar Zahlen nicht mehr. Zieht alle drei Blätter noch einmal nach, damit sie zusammenpassen. Das ist normal und kein Rückschlag: Ein Design, das sich nach dem ersten Test nicht ändert, wurde nicht ernsthaft getestet.

  7. Schritt 7 Notiert gemeinsam alle festgelegten Maßnahmen.

    Dabei helfen: 5S, Kanban, SMED, Cardboard-Engineering, SOP, OPL, LCA, Shopfloor Management, A3, 8D, PDCA, FMEA, SIPOC, REFA-Arbeitssystem, U-Zellenaufstellung, die 8 Elemente der Arbeitsstruktur, IBA-Informationssystem.

  8. Schritt 8 Bringt die Maßnahmen in eine Reihenfolge.

    Nach der Leipnitz-Maxime, vom Kunden abwärts. Innerhalb eines Vorgangs helfen das Kosten-Nutzen-Diagramm, die ABC-Analyse oder das Pareto-Prinzip.

  9. Schritt 9 Fotografiert das fertige Prozessmapping-Design.

    Das dritte und letzte Blatt. Im PDF steht dahinter ein Rahmen dafür — damit später jeder sieht, worauf ihr euch geeinigt habt, auch wenn das Papier längst abgehängt ist.

8Abschluss

Was herausgekommen ist — und worauf es sich übertragen lässt. Das ist der Teil, den du beim nächsten Prozessmapping zuerst wieder liest.

Gebraucht Rechnet sich aus Beginn und Ende.

Das Brown-Paper hängt nicht ewig. Ein Foto vom IST-Prozessmapping, vom Fantasiedesign und vom fertigen SOLL — mehr braucht die Digitalisierung nicht.

Können die Maßnahmen auf gleiche Arbeitsplätze übertragen werden?

Gleiche Arbeitsplätze sind Plätze, an denen dieselbe Arbeit gemacht wird — die Auftragsabwicklung im zweiten Werk, das Nachbarteam, der andere Standort. Wirkt deine Maßnahme dort genauso, hast du sie mit einem Prozessmapping mehrfach verdient.

Können die neu entstandenen Systeme oder Standards auf andere Vorgänge übertragen werden?

Gemeint ist nicht die Maßnahme selbst, sondern das, was um sie herum entstanden ist: eine feste Reihenfolge statt Vorziehen, eine Obergrenze für wartende Aufträge, ein Standard für die Übergabe. So etwas trägt oft weiter als das Prozessmapping, in dem es erfunden wurde.

Deine Meinung zu diesem Formular

Was ist deine Meinung, oder was sollte verbessert werden? Name und E-Mail-Adresse sind optional — ohne Angaben bleibt deine Meinung absolut anonym.

Weitere Vorlagen zu diesem Thema

Einige bauen auf dieser Seite auf, andere ergänzen sie. Manche liefern dir die Zahlen, mit denen du hier weiterarbeiten kannst.

Makigami-Leitfaden Vorschau: Makigami-Leitfaden Formular

Makigami-Leitfaden

Für Abläufe, die durchs Büro UND durch die Halle gehen. Zeigt, wie oft eine Aufgabe den Bereich wechselt und wie lange sie dazwischen liegt.

Wertstrom-Leitfaden Vorschau: Wertstrom-Leitfaden Formular

Wertstrom-Leitfaden

Zeichnet den ganzen Weg eines Auftrags durchs Haus — vom Eingang bis zur Auslieferung. Zeigt, wo er liegen bleibt und warum.

Kundentakt Vorschau: Kundentakt Rechner

Kundentakt

Rechnet aus, wie schnell gearbeitet werden muss, damit der Kunde bekommt, was er bestellt hat — die Grundzahl jeder Planung.

Fließgrad Vorschau: Fließgrad Rechner

Fließgrad

Rechnet aus, wie viel der Durchlaufzeit echte Arbeit ist und wie viel nur Liegen und Warten. Meist ist der Anteil erschreckend klein.