Zeitdefinitionen

Im Unternehmen werden verschiedene Zeiten gemessen, und sie bedeuten Verschiedenes — deshalb wird zwischen ihnen unterschieden. Im Bild darunter ist gezeigt, welche Zeit in welcher steckt.

Die wichtigsten Zeitarten

Durchlaufzeit — vom Auftrag bis zur ÜbergabeWoraus sie besteht: Warten und BearbeitenWarten und LiegenBearbeitungZykluszeit: eine Bearbeitung und das Warten danachBearbeitungWarten und LiegenUnd in der Bearbeitung steckt das hierRüstenRüstenVerschwendungVerschwendungWertschöpfung
Welche Zeit willst du sehen?
Durchlaufzeit
Die Zeit, die ein Produkt oder eine Leistung braucht, um das ganze Unternehmen zu durchlaufen — vom Eingang des Kundenauftrags bis zur Übergabe an den Kunden.
Ein Beispiel
Vom Eingang des Auftrags bis zur Übergabe des fertigen Radios an den Kunden vergehen 7,3 Tage — gut eine Woche.
Hinweis
Nicht die Zeit, in der gearbeitet wird. In dem Beispiel wird davon 24 Minuten lang wirklich gearbeitet — der Rest ist Warten.

Drei Angaben, die dabei immer mitlaufen

Sobald Zeiten gemessen werden, tauchen drei weitere Größen auf. Sie sind keine Zeitarten, bestimmen aber, wie die Zeiten zustande kommen — und werden am häufigsten mit ihnen verwechselt.

Kundentakt

ein Taktfertigein Taktfertigein Taktfertigein Taktfertig
Was es ist
Der Bedarf, heruntergerechnet auf eine Zeiteinheit: In welchem Abstand muss etwas fertig werden? Daran wird die Prozesskette ausgelegt — jeder Schritt muss in diesem Abstand liefern können.
Ein Beispiel
Zwei Radios am Tag, bei einem Arbeitstag von acht Stunden: Dann muss alle vier Stunden ein Radio fertig sein. Danach richtet sich, wie viele Leute und Maschinen gebraucht werden und wie die Schritte geschnitten sind.

OEE und TEEP

ein ganzes Jahrgeplant: Urlaub, Wartung, SchichtungeplantLeistung, Ausschussgute Teile — das ist der Wert
Was es ist
Zwei Werte dafür, wie viel von einem ganzen Jahr am Ende wirklich brauchbare Arbeit ist. Vom Jahr gehen zuerst die geplanten Stillstände ab — Urlaub, Wochenende, Feiertage, Wartung, Schichtmodell. Dann die ungeplanten: Störungen, fehlendes Material, Warten auf Instandhaltung. Dann das, was zwar läuft, aber nichts bringt: verringerte Leistung und Ausschuss. Was übrig bleibt, ist der Wert.
Ein Beispiel
Gilt für Anlagen wie für Menschen. Ein Jahr hat 8.760 Stunden. Wer acht Stunden am Tag arbeitet, 30 Tage Urlaub hat und an Wochenenden und Feiertagen frei, kommt auf rund 1.760 Stunden — 20 Prozent des Jahres. Bei einer Anlage bleiben nach allen Abzügen oft 43 Prozent; auch das ist kein schlechter Wert, sondern ein realistischer.

Losgröße

ein Arbeitsgang3 Teileein Arbeitsgang3 Teileein Arbeitsgang3 Teile
Was es ist
Keine Zeit — sie wird nur ständig mit einer verwechselt. Sie sagt, wie viele Teile oder Aufgaben in einem Arbeitsgang zusammen bearbeitet oder weitergegeben werden.
Ein Beispiel
In den Backofen passen 3 Kuchen, auf den LKW 90 Computer. Die Losgröße ist 3 beziehungsweise 90.

Und so sieht es wirklich aus

Bis hierher ging es darum, welche Zeit was bedeutet. Jetzt geht es um das Verhältnis: Wie viel von der Durchlaufzeit ist überhaupt Arbeit? Diese Zahl heißt Fließgrad — die Bearbeitungszeit geteilt durch die Durchlaufzeit. Dreht man das Verhältnis um, heißt es Flussgrad: Bei 10 Prozent Fließgrad sind es 90 Prozent Flussgrad. Die beiden Wörter werden ständig verwechselt; gemeint ist fast immer der Fließgrad, mit „ie“.

0 bis 10 Prozent

Der Normalfall. So sieht es in den allermeisten Betrieben aus, auch in gut geführten.

Bis 50 Prozent

Ein sehr gutes Unternehmen. Auch mit Einzelfertigung oder Dienstleistung ist das erreichbar.

Bis 90 Prozent

Nur mit weitgehender Automatisierung, und selbst dann selten.

Ein Haus, ein Jahr

Von der Genehmigung bis zum Einzug vergeht ein Jahr — das sind die hundert Kästchen. Gearbeitet wird an dem Haus an rund 26 Tagen: Dazwischen liegen Wochenenden, Feiertage, das Warten auf das nächste Gewerk, auf Material und auf Abnahmen. Das sind 7 von 100.

hier wird wirklich gearbeitet: 7 von 100

Und deshalb wird am falschen Ende optimiert

Fast alle Verbesserungen setzen an der Arbeitszeit an: schnellere Maschinen, straffere Abläufe, mehr Tempo. Rechne das einmal durch: Bei einem Fließgrad von 10 Prozent wird ein Zehntel der Durchlaufzeit gearbeitet. Selbst wenn diese Arbeit ab morgen doppelt so schnell ginge — was praktisch nie gelingt —, wäre die Durchlaufzeit um 5 Prozent kürzer. Mehr nicht.

Die anderen 90 Prozent sind Warten. Dort liegt die Zeit, und dort liegt die Verbesserung.

Der Überblick als PDF

Acht Seiten quer: zuerst alles auf einer Seite, danach jede Zeitart mit Beispiel und Hinweis, die drei Angaben und der Fließgrad. Zum Nachlesen, zum Weitergeben, zum Aushängen an der Tafel und für Gespräche und Workshops.

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